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Projekt Transport XX
April 2007 - Juni 2007

affiche

 

TRANSPORT XX thematisiert den einzigen Judentransport in Europa, der zur Gefangenenbefreiung gestoppt wurde. Dieses einzigartige Ereignis fand am 19. April 1943 in Boortmeerbeek statt.

TRANSPORT XX ist eine Installation aus 1.200 Porträts der 1.636 Gefangenen, die mit dem Zug aus der Dossin-Kaserne nach Auschwitz deportiert wurden. Die Porträts waren entlang des Mechelse Ring (Tinellaan) zu sehen, wo die alte Eisenbahntrasse entlanglief. Große, auf über 100 Regalmetern an Fotos zurückgehende Segel wurden dort angebracht. So wurden bis Juni 2007 die Vorbeifahrenden mit 1.200 Gesichtern von Opfern eines rassistischen Völkermordes konfrontiert.

Am Freitag, den 20. April 2007 wurde im Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) das Projekt TRANSPORT XX der internationalen Presse vorgestellt.


Der Überfall auf Transport XX
Ansprache von Bart Somers
Ansprache von Ward Adriaens
Ansprache von Claude Marinower
Ansprache von Natan Ramet


 

Der Überfall auf Transport XX

1940 leben ca. 70 000 Juden in Belgien. 36 Prozent von ihnen werden von der Dossinkaserne in Mechelen aus deportiert, weitere 5 034 vom französischen Drancy in der Nähe von Paris aus.   Zwischen Sommer 1942 und  Sommer 1944 verlassen 28 Züge das Sammellager Dossin. Sie bringen 24 916 Juden, aber auch 351  Sinti und Roma, nach Osteuropa. Meist ist Auschwitz das Ziel.

Am 19. April 1943 fährt der XXste Konvoi mit 1 636 Opfern in Richtung Auschwitz los. Der XXste Konvoi ist ein besonderer Transport. Er ist zunächst ein auβergewöhnlich groβer Konvoi. Die Menschen werden erstmals in Viehwaggons - 8 Pferde oder 40 Menschen – transportiert. Zuvor sind stets Wagen dritter Klasse verwendet worden, aus denen es einfacher war durch die Fenster zu flüchten. Auβerdem werden jetzt die Zugtüren mit Stacheldraht zusätzlich gesichert.

Im 20. Konvoi befindet sich die jüngste jüdische Deportierte. Suzanne Kaminsky (Nr. 215) ist gerade einige Wochen alt. Sie wurde am 11. März 1943 geboren.

Gegen 23 Uhr fährt der Zug los. Mit einem Revolver und einer mit rotem Papier beklebten Sturmlampe ausgerrüstet zwingen drei ehemalige Studenten des  Atheneum te Ukkel, Georges Livschitz, Robert Maistriau en Jean Franklemon, den Zug auf der Strecke Mechelen – Leuven zwischen Boortmeerbeek und Haacht zum Anhalten. Dies ist ein einmaliges Ereignis in der Geschichte des Holocaust. Während des Zweiten Weltkriegs ist in ganz Europa kein einziger Judentransport befreit worden.

Youra LivschitzJean FranklemonRobert Maistriau
Youra Livschitz, Jean Franklemon und Robert Maistriau
(© MJB-JMB und JMDV)

Der XXste Konvoi wird von einem speziell aus Deutschland kommenden Kommando der Schutzpolizei begleitet welches aus einem Offizier und einer 40-köpfigen Mannschaft besteht.

Trotz der Bewachung gelingt es Robert Maistriau, einen Wagen zu öffnen. Siebzehn Menschen wagen den Fluchtversuch. Während der Zug weiterfährt, können noch weitere Deportierte aus anderen Waggons entkommen. Da mehrere Gefangene Sägen, Feilen, Zangen und andere Werkzeuge im Stroh versteckt hatten, konnten die Wagen von innen aufgebrochen werden. Insgesamt können 232 Personen aus dem Transport flüchten - 87 Deportierte werden erneut verhaftet und mit einem der folgenden Transporte deportiert – 26 der Fliehenden werden getötet und 119 Deportierten gelingt es tatsächlich zu entkommen. Der jüngste von ihnen, Simon Gronowski, ist gerade 11 Jahre alt.  Er wird von Belgiern gerettet. Auch der 18-jährigen Regine Krochmal, Krankenschwester und Widerstandsmitglied, gelingt die Flucht. Sie sägt mit einem Brotmesser die Holzstäbe vor der Lüftungsöffnung durch. Bevor der Transport zum Stillstand gezwungen wird, springt sie aus dem fahrenden Zug. Auch sie überlebt den Krieg. Unter den 1 404 Zurückgebliebenen im Konvoi, waren 242 Kinder.

Am 22. April 1943 erreicht der Zug Auschwitz. Bei der Selektion werden lediglich 521 Häftlingsnummern verteilt. Von den Menschen, die eine Nummer erhalten, überleben nur 152 den Krieg. Die anderen 883 Deportierten verschwinden spurlos. In den Archiven des Lagers findet man keine weiteren Informationen. Wir wissen jedoch, dass die Deportierten der SS-Verwaltung bei der Ankunft scheinbar Schwiergkeiten bereiteten.  Ein Fernschreiben des Reichssicherheitsdiensts vom 29. April 1943 an SS-Obersturmbannführer und Chef der Sipo-SD in Belgien, E. Ehlers, beschreibt Unpässlichkeiten bei der Ankunft.

„Aus gegebenem Anlass wiederholt das Lager Auschwitz seine Bitte, den auf die Evakuierung wartenden Juden keinesfalls auch nur ansatzweise beunruhigende Mitteilungen über ihren Bestimmungsort und die dort herrschenden Bedingungen zukommen zu lassen. Ich bitte Sie, dies zur Kenntnis zu nehmen und der Forderung nachzukommen. Insbesondere dränge ich auf permanente Befehle an die Begleiter, damit es während der Reise nicht  zu Anspielungen kommt, die Anlass zu – schlimmstenfalls - Widerstandsaufrufen geben könnten oder Vermutungen über die Art der Unterbringung wecken könnten. Wegen dringender Arbeiten legt Auschwitz Wert darauf, dass die Ankunft der Transporte soweit wie möglich problemlos verläuft.” (Fernschreiben vom 29. April 1943)

Offenbar haben Gerüchte über die „Endlösung” zu Widerstand und Rebellion der Deportierten geführt.

Nach dem Überfall auf den 20. Konvoi wurde das Kommando mit Soldaten der Bewachungsabteilung aus Brüssel verstärkt. Diese reisten bis zur deutschen Grenze mit.
 
Der 19. April 1943, der Tag des Anschlags auf den 20. Konvoi ist ein sehr symbolisches Datum, zumal an diesem Tag auch der Aufstand im Warschauer Ghetto begann.

(Mit Dank an: Marc Michiels, http://users.pandora.be/holocaust.bmb/)

 

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Ansprache von Bart Somers, Bürgermeister der Stadt Mechelen, 20. April 2007

 

Liebe Freunde,

im Namen der Stadt Mechelen heisse ich Sie zur Vorstellung des Projekts TRANSPORT XX herzlich willkommen. Ich freue mich über das internationale Interesse.

Wegen seiner geografischen Lage zwischen Brüssel und Antwerpen wurde Mechelen von den deutschen Besatzern als Sammelplatz bestimmt, um von hier aus Juden, Sinti und Roma ins das berüchtigte Lager Ausschwitz zu transportieren. Die Einwohner von Mechelen haben es sich nicht ausgesucht, aber sie sind es, die an dieses unbesehene Vergehen gegen die Menschlichkeit, an den Völkermord an Juden, Sinti und Roma, wie er sich hier abspielte, erinnern. Die Geschichte dieser Stadt verpflichtet uns zu dieser Verantwortung.

Die Stadt hat immer die jährlich stattfindenden Gedenkfeiern der Dossinkaserne mitgearbeitet. Das Jüdische Deportations- und Widerstandsmuseum hat kein einziges Mal umsonst um Unterstützung gebeten. Sowohl, Polizei als auch Feuerwehr und Reinigungskräfte, das Stadtarchiv, das Museum Mechelen, unsere Hochschule und nicht zuletzt auch die Mitarbeiter der Stadt und der Wohlfahrtsverband OCMW waren hilfsbereit, wenn das Museum um Unterstützung bat. Sogar das Stadtarchiv wurde mehrmals für Veranstaltungen des JDWM zur Verfügung gestellt.

So wirkt neben der Flämischen Regierung und dem JDWM, auch die Stadt Mechelen massgebend an dem Projekt „Kaserne Dossin. Gedenkstätte, Museum und Dokumentationszentrum über den Holocaust und Menschenrechte” mit. Das Projekt „Kaserne Dossin“ beabsichtigt einen Ausbau der Dauerausstellung über den Genozid an Juden, Sinti und Roma in Belgien. Zugleich sollen hochwertige Ausstellungen über ähnliche Themen und andere Menschenrechtsverletzungen,  die Thematik der Öffentlichkeit näherbringen. Wir werden Ihnen hoffentlich in den kommenden Monaten über die weitere Entwicklung, sowohl der Architektur und Bauplanung als auch der Organisation des Projekts, berichten können. In jedem Fall soll der Ort, an dem wir uns hier befinden, das alte Gefängnis und nebenan das Predikherenklooster, in das Projekt miteinbezogen werden.

Auch bei dieser Ausstellung konnten wir nicht hinten anstehen. Wir gratulieren den Mitarbeitern des JDWM dazu, so gut recherchiert zu haben und einen Weg gefunden zu haben, der auf eine – ich denke, man darf sagen - spektakuläre Weise,  auf einen der 28 Transporte von Mechelen nach Auschwitz aufmerksam macht. Ich hoffe, dass Ihnen und der Öffentlichkeit diese Bilder nahe gehen.

Vielen Dank.

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Ansprache von Ward Adriaens, Direktor des JDWM, 20. April 2007

Liebe Freunde,

Das JDWM stellt Ihnen heute eine Ausstellung mit 1 200 Porträts von jüdischen Deportierten vor. Es handelt sich um Gefangene, die am 19. April 1943 von hier aus in Viehwaggons Richtung Auschwitz abfuhren. Eigentlich sollte es eine Reise ohne Rückkehr werden. Doch mehr als 200 Menschen gelang es noch vor der deutschen Grenze zu entkommen.
 
Die Porträts hängen entlang der damaligen Eisenbahnstrecke, die die Dossinkaserne mit dem internationalen Schienennetz verband.

Ich finde es ausserordentlich, dass so einem ganzen Deportationszug sein Gesicht zurückgegeben wurde. Wir sehen hier eine fotografische Rekonstruktion eines der 28 Transporte, die den selben Weg entlangführten.

Die Zusammenstellung des rekonstruierten Zugs respektiert auch die gängige Beschreibung von „Tätern“, „Opfern“ und „Betrachtern“: 1 Bewacher auf dem Poster, 1 200 Porträts von Deportierten und 12 000 Menschen, die tagtäglich an der Ausstellung vorbeifahren.

Durch das Vorstellen der Porträts sprechen wir plötzlich nicht mehr über Zahlen und Statistiken – in diesem Fall 1 600 Gefangene in einem Zug. Wir zeigen stattdessen die Gesichter von 1 200 Menschen aus Fleisch und Blut, die vor kaum 60 Jahren registriert, ausgeschlossen, aufgespürt, verhaftet, bestohlen und letztendlich ermordet wurden.Weil sie eine Mutter hatten.
 
Denn: Wir sollten nie vergessen, dass dies das wesentliche Merkmal von Rassismus ist: Verfolgt werden, weil man eine Mutter, weil man Eltern hat. Wir alle haben Eltern und viele von Ihnen haben Kinder. Um sie zu schützen ist es so wichtig, Rassismus nicht die geringste Chance zu geben. Wenn Rassismus Politik bestimmt, sind wir alle in Gefahr.
 
Deshalb sind Denkmäler, Gedenkstätten und Orte der Besinnung so wichtig – um zu gedenken und darüber nachzudenken, welche Fehler damals passiert sind. Deshalb gibt es historische Museen wie das Fort Breendonk und  Flanders Fields. Deshalb gibt es Archive und Dokumentationszentren, die die Wahrhaftigkeit von Überlieferungen prüfen und nachweisen. Das JDWM ist ein Dokumentationszentrum. Wir organisieren pädagogische Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit wie das Projekt TRANSPORT XX, das wir Ihnen heute vorstellen.

Der TRANSPORT XX  ist ein besonderer Transport. Er ist der einzige Judentransport in ganz Europa, der auf dem Weg zu den Gaskammern überfallen wurde, um die Gefangenen zu retten. Unter den Deportierten hatte sich bereits eine Gruppe gebildet, die selbst einen Ausbruch vorbereitet hatte. Im 20. Transport befanden sich auch die jüngste und der älteste Deportierte:

  • Susan Kaminski, 30 Tage alt
  • Jacob Blom, 91 Jahre

Die Geschichte des 20. Transports ist durch das Buch Stille Rebellen von Marion Schreiber bekannt geworden. Auch Johan Op de Beeck drehte für Canvas eine Dokumentation über diesen Fall. Noch dieses Jahr starten Rheingold Films und Skyline Films die Produktion eines Spielfilms zu diesem Thema. Eine historische Dokumentation über den Überfall auf TRANSPORT XX soll dem Spielfim eine wissenschaftliche Grundlage liefern.
Im Rahmen der Vorbereitungen für die Renovierung des Belgischen Museums in Auschwitz durch das JDWM haben unsere wissenschaftlichen Mitarbeiter alle Zahlen noch einmal überarbeitet. Wir hoffen, Ihnen im Juni ein Fotoalbum des TRANSPORT XX, welches auch seine spezielle Geschichte und neueste Daten enthält, vorstellen zu können. Hieran arbeiten zur Zeit Prof. Steinberg und und unsere Archivarin Schram.

Zuletzt ereignete sich der Überfall in Boortmeerbeek an dem Tag, an dem der Aufstand im weit entfernten Warschauer Ghetto ausbrach. Unbeabsichtigt kommt so beiden Ereignissen eine ganz besondere symbolische Bedeutung zu.

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Ansprache von Claude Marinower, Abgeordneter und  Aufsichtsratsmitglied des JDWM, 20. April 2007

Wir haben Sie heute hier nach Mechelen eingeladen, um Ihnen unser Projekt „TRANSPORT XX“ vorzustellen, das auf Initiavtive von Herrn Ward Adriaens, dem Direktor des JDWM, zustande gekommen ist. Die Ausstellung ist Teil einer grösseren Aktion der Museums-Archive.
 
Die Verwirklichung dieses Projekts ist erst vor Kurzem in Aussicht gestellt worden, als Innenminister Patrick Dewael seine aktive Beteiligung ankündigte. Er ging auf meinen Versuch ein, einen Teil der Archive über Angelegenheiten im Inland von uns erschliessen zu lassen. TRANSPORT XX ist so zum Grossteil Ergebnis dieser Archivarbeiten.

Ziel der Archivarbeiten soll sein, historisch relevante Dokumente zu erhalten und zu erschliessen sodass sie für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung stehen. Es wird aber auch an Menschen gedacht, die 60 Jahre nach Ende Verfolgung noch nach Spuren von Familenmitgliedern suchen. Letztlich sollen die Archivarbeiten auch einen didaktischen Beitrag leisten wie z.B. bei der Visualisierung der Verfolgung. Das Projekt Transport XX, das wir Ihnen heute vorstellen, ist ein Beispiel hierfür.

Wir wandten uns also an das Innenministerium, dessen Archivdienst über einen der grössten Bestände der Belgischen Geschichte verfügt. Es handelt sich um die von der Ausländerpolizei in den Gemeinden angelegten Akten, die später vom Ministerium zusammengetragen wurden.

Wir sprechen hier von nicht weniger als 2 700 000 Akten, die zwischen 1861 und 1945 erstellt wurden, um die Migration im Königreich zu beobachten. Jeder Migrant wird registriert und muss jeden Wohnungswechsel melden. Er muss auch ein Passfoto einreichen. Sein Sozialstatus wird ständig festgehalten und kontrolliert: arbeitslos, Arbeiter, selbstständig... Die Bestände stellen eine einmalige Quelle für historische, soziologische, ethnische, genealogische, ökonomische u.a. Untersuchungen dar.

Entsprechend seiner Zielsetzung hat das JDWM die 56 000 während des Zweiten Weltkriegs als Juden registrierten und verfolgten Personen identifiziert. Tatsächlich wurden mehr als 25 000 von der Dossinkaserne in Mechelen aus und 5 000 vom französischen Drancy aus deportiert.

Es stellt sich heraus, dass mehr als 90% der Identifizierten keine Belgier, sondern Immigranten waren.. Rechnet man kurz nach, so zeigt sich, dass – unter Berücksischtigung minderjähriger Kinder, die  in den Akten ihrer Eltern mitaufgenommen sind – das Innenministerium an die 40 000 Akten zur Rassenverfolgung besitzt, wovon 20 000 Deportierten angehören.
Das JDWM erschliesst und digitalisiert diese Akten. Es kommen einmalige Informationen ans Licht, wie auch die Porträts der Verfolgten und Deportierten.

Wir verfügen heute bereits über 12 500 Porträts von mehr als 25 000 Deportierten.Wir hoffen, dass diese Porträts Sie rühren und erschüttern.

Wie bereits erwähnt ist das Projekt mit dem Digitalisieren der Fotos noch nicht abgeschlossen. Auch die Akten, die durchschnittlich 25 Dokumente umfassen, werden in langwieriger Arbeit digital erfasst.
 
Gott sei Dank können wir auf Behörden rechnen, die sich der historischen und pädagogischen Bedeutsamkeit der Bestände bewusst sind. Die Beteiligung von Innenminister Patrick Dewael, der das Projekt ermöglicht hat, habe ich bereits erwähnt. Auch der Generaldirektor der Abteilung für Ausländerangelegenheiten Freddy Roosemont unterstützte uns. Er stellte uns einen Raum in den WTC-Türmen zur Verfügung.

Dank der aktiven Mithilfe von Herrn Louis Philippe Arnhem ging das Scannen aussergewöhnlich schnell voran. Es wird für ständige Zufuhr bereits zugeordneter Akten aus den riesigen unter den WTC-Türmen liegende  Lagern gesorgt.

Die Leitung des Projekts liegt bei Frau Patricia Ramet. Sie hat mittlerweile      17 000 Akten zugeordnet und betreut den reibungslosen Ablauf und das Identifizieren der Porträts. Da es sich hierbei um öffentliche Archive handelt und das JDWM nur für die Bearbeitung privater Archive finanziell unterstützt wird, musste nach privaten Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden.

Hierbei konnten wir glücklicherweise auf die Nationale Lotterei zählen, die uns mit der freundlichen Unterstützung von Staatssekretät Bruno Tuybens half, das erforderliche Informationsmaterial zu erwerben.

An unseren Archiv- und Dokumentationsarbeiten besteht inzwischen grosses internationales Interesse. Der Premier besuchte im Auftrag der gesamt- belgischen Regierung die Gedenkfeier im Konzentrationslager Auschwitz zum 60. Jahrestag der Befreiung. Im Anschluss hieran realisierte das JDWM die Renovierung der Belgischen Ausstellung dort.

In Kürze sollen dort übrigens alle uns zur Verfügung stehenden Porträts der aus Mechelen deportierten Juden, Sinti und Roma auf einem Bildschirm aufgerufen werden können.

Diese Verfolgten und Deportierten, diese Toten, denen jetzt ein Gesicht gegeben wird, haben nichts hinterlassen, sie haben keine letzte Ruhestätte, die für Familienmitglieder und Freunde zu einem Ort der Besinnung werden hätte werden können. Es sind Alte, Jugendliche, Babys, Interlektuelle, Arbeiter, orthodoxe Rabbiner und Nicht-Religiöse, Männer, Frauen und Kinder, die nur den einen Wunsch hatten: zu leben. Dieses Recht wurde ihnen genommen, weil sie eine jüdische Mutter hatten und so automatisch auch als Juden angesehen und definiert wurden. Sie mussten verschwinden, selbst Ungeborene. Das jüdische Volk sollte ausgerottet werden.

Das Projekt “Gib ihnen ein Gesicht” ist ein gutes Beispiel für das Ziel des JDWMs, die Erinnerung an das, was sich hier vor 65 Jahren abspielte und der letzte Schritt vor der Ermordung war, lebendig zu halten.

Wir liessen diejenigen, die während des Krieges verzweifelten, als sie der Welt gleichgültig blieben, ein zweites mal sterben, wenn wir nicht an ihre Schicksale erinnerten.

Es sind die Erinnerungen der Überlebenden, die uns unserer Pflicht bewusst machen, an die Opfer zu erinnern und ihrer zu gedenken.

Im folgenden Saal können Sie auf einem Bildschirm 10 000 Porträts von Deportierten aufrufen. An dieser Stelle möchten wir unserem Mitarbeiter Herrn Zuckermann besonders danken.

Auch französische Kollegen des neuen Holocaustmuseums in Paris sind sehr an den Fotos der in Juden aus Belgien interessiert, die bei ihrem Fluchtversuch in Frankreich festgenommen wurden und über Drancy nach Auschwitz deportiert wurden.

Wir möchten diese wertvollen Informationen selbstverständlich der belgischen Bevölkerung zugänglich machen – sowohl im Museum selbst als auch heute bei der Rekonstruktion des 20. Transports.
 
Letztlich hoffe ich darauf, dass die pädagogische Arbeit und die Archivarbeit des JDWMs in den kommenden Jahren fortgesetzt wird und so in den nächsten zehn Jahren alle auffindbaren Informationen zur Verfolgung von Juden, Sinti und Roma in Belgien hier zusammengetragen werden können.

Die Kaserne Dossin soll zu einer Anlaufstelle zu diesem Thema werden.

dichtbij

 

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Ansprache von Natan Ramet, Vorsitzender des JDWM, 20. April 2007

Liebe Freunde,

Als Vorsitzender des Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseums, aber vor allem als Überlebender von Auschwitz und Dachau, habe ich schon bei vielen Gelegenheiten über die grosse Furcht der Alt-Deportierten gesprochen - über die Furcht, dass unsere verschwundenen Familienmitglieder, Kameraden und Freunde vergessen werden könnten.

Ein herzliches Dankeschön an Direktor Ward Adriaens, dessen Enthusiasmus auch nach zehn Jahren noch kein bisschen nachgelassen hat. Das Projekt XX ist seiner Initiative zu verdanken, es ist sein Projekt. Er fand Sponsoren, deren Namen nun mit dem Projekt in Verbindung stehen:

  • die Versicherunggesellschaft P&V, PREVOYANCE & VOORZORG.  Hier anwesend ist der Vorsitzende von P&V, unser Freund Herr Forrest in Begleitung seiner Ehefrau.
  • die Nationale Lotterei, vertreten von Frau Luypaert
  • die Stadt Mechelen, die von ihrem engagierten Bürgermeister und unseren Freunden, den Schöffen, vertreten wird.

Ich bedanke mich im Namen des Museums. Ich bedanke mich im Namen meiner Mitgefangenen im Lager.

Aktionen wie TRANSPORT XX erinnern an meine verschwundenen Familienmitglieder und Kameraden. Sowohl die jüngste Deportierte, die 30 Tage alte Suzanne Kaminski, als auch Jacob Blom, der mit 92 Jahren älteste Deportierte, haben jetzt, wenn auch keinen Grabstein, so doch einen Platz der Erinnerung.

Die 12 000 Porträts von Deportierten, die wir nun haben, sind nicht vom Himmel gefallen.  Sie sind das Ergebnis jahrelanger Recherchearbeiten von unserem Direktor und seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern, den Archivarinnen Schram und Marquenie. Sie wurden von Professor Maxime Steinberg unterstützt. Mit der Erlaubnis von Innenminister Patrick Dewael ermöglichte Herr Marinower unserem Museum den Zugriff auf die Archive der Ausländerpolizei.

Ich möchte noch unsere Mitarbeiter Patricia Ramet, Projektleiterin von „Gib ihnen ein Gesicht“ und  Eric Hauterman erwähnen, die sich in Brüssel der Aufgabe widmen, aus den 2,7 Mio. Akten der Ausländerpolizei die 25 000 Akten der deportierten Juden, Sinti und Roma ausfindig zu machen und zu digitalisieren. Sie organisierten die meisten der 1 200 Porträts für TRANSPORT XX und die 12 000 Porträts, die wir bereits auf demTouchscreen abrufen können.

Ihnen allen ein herzliches Dankeschön. Ich hoffe, dass die hier anwesenden Pressevertreter die Öffentlichkeit in gebührender Weise auf diese Präsentation des TRANSPORT XX aufmerksam machen.

 

 

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